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Hell On Earth Tour, 17.09.09 in Magdeburg

14. Oktober 2009 - 12:02 Uhr
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Verwirrung in Magdeburg! Die Hell On Earth Tour macht in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt halt, und alle Zugereisten erleben erstmal eine Überraschung. Der Veranstaltungsort wurde von der Froximunarena in den Club Hot verlegt. Wer nach einiger Verspätung dort ankommt erkennt auch schnell warum…

Anstatt einer Industriehalle wie das Froximun ist das Hot nichts als ein Jugendklub mit einer kleinen Bühne. Alles in Allem würden gute Schülerbands den Laden füllen. Aber heute wird den ganzen Abend viel Platz bleiben.
 
Ob es nun an der Verlegung des Konzertes oder an den schockierend geringen Besucherzahlen liegt ist ungewiss, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Thy Will Be Done vor im Prinzip leerer Halle spielen. Ärgerlich, denn Ihr unspektakulärer aber solider Metalcore ist genau der richtige Appetithappen.Viel besser ergeht es auch War Of Ages nicht. Stilistisch nah an den Vorgängern ist an Ihrer Show nichts auszusetzen, doch das Publikum steht im Karree und nah an der Wand herum, nickt bestenfalls mit. Als wären wir bei einem Local Heroes Abend und die Band hätte vergessen die eigenen Fans mitzubringen. Beide Bands sehen es gelassen und spielen Ihre Sets mit einem Schmunzeln auf den Lippen und viel Enthusiasmus.
 
Über solche Probleme können sich War From A Harlots Mouth nicht beklagen. Sie sehen als erste Menschen vor der Bühne, und es kommt Bewegung in die Fans. Die Band nimmt es dankend auf und spielt sich die Finger wund. Der härtere Sound kommt vor allem bei den jüngeren Fans gut an, und die Traube von schiefen Mützen auf Pokemonfrisuren vor der Bühne bekommt für Ihr Geld einiges geboten.
 
Waking The Cadaver ziehen den Härtegrad danach sogar noch etwas an. Dem hardcoreaffinen Teil des Publikums gefällt es, und so wird der Freiraum vor der Bühne von einer handvoll Enthusiasten zum moschen genutzt. Dabei fliegen die Tritte auf Gesichtshöhe. Nach der Nummer ist es wohl Essig mit größeren Versammlungen vor der Bühne. Der Großteil des Publikums bleibt sicher im Hintergrund. Ob das Lächeln auf Ihren Gesichtern den Karate-Kids im "Pit" gilt, die sich alle Nase lang auf eben diese legen, oder an den ansonsten so markanten Pigsqueals von Sänger Don Campan die heute nicht zünden wollen?
 
Sworn Enemy haben genug von diesem Quatsch. Sie sind nicht den weiten weg aus den USA angereist um vor einem Publikum zu spielen, das sich vor Ihnen versteckt. Ob es jedoch hilft die Zuschauer als "Faggots" zu beschimpfen ist fraglich. Shouter Sal Lococo zeigt Einsatz, wandert die 10 Meter um direkt vor den belustigten Magdeburgern zu agieren. Die Gitarrenfraktion glänzt mit furchtbarem Deutsch, kann die verbalen Entgleisungen des Fronters allerdings nicht wett machen. Das war nicht Sworn Enemys Show, und ich wage zu bezweifeln, das hier neue Fans gefunden wurden.
 
Wenn alle Bands heute kein Glück haben kommt bei Neaera auch noch Pech dazu. Das Intro läuft nicht, der Bass macht schlapp, und welchen Kommentar hat Sänger Benny Hilleke dafür parat? "Scheiß drauf" und dann wird losgeholzt. Deutschlands beste junge Extrem-Metal-Band ist noch dazu mit dem besten Frontmann gesegnet. Andere haben eventuell bessere Sänger, aber keiner sonst kann so viel gute Laune im Publikum verbreiten. Wo bei Waking The Cadaver gelächelt wurde, wird nun gegrinst. Hilleke und seine Mannen haben Spaß und machen Spaß. Egal ob sie den Überhit "Let The Tempest Come" als brandneuen Song ankündigen, ihre Frontsau beim ersten und einzigen Circlepit des Abends mit ins Rennen schicken oder die niedrige Bühne dazu nutzen das Publikum als Gastsänger gleichwertig mit War From A Harlots Mouth Sänger Nico Webers zu rekrutieren, es steppt der Bär. Selbst das reicht jedoch nicht um die gesamte Halle mitzureißen.
 
Bei Earth Crisis fragt man sich dann doch worauf die Meute noch wartet. Das größte Publikum des Abends, aber von vollem Haus kann immer noch keine rede sein. Die Headliner spielen Ihren hardcorelastigen Metal mit Leidenschaft, und auch hier bricht der Minimoshpit aus, doch alles in allem können auch sie die Hell On Earth Tour in Magdeburg nicht davor bewahren ein Baum zu sein, der laut im Wald um fällt. Was nutzt es wenn es keiner hört?

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