Addicted – The Devin Townsend Project
HevyDevy ist zurück, und zwar mit einem Knall. Nachdem Ki im Frühjahr Townsends Abkehr vom Wahnsinn großartig vertonte ist Addicted der Beweis das der irre Kanadier noch immer Hits schreiben kann.
Ki war die Wahrheit die wahrscheinlich schon immer hinter Clownsmasken wie Strapping Young Lad und Ziltoid the Omniscient steckte. Ein nachdenklicher Mensch mit einem Musikverstännis das ultra-aggressiven und absichtlich skurrilen Metal weit übersteigt.
Addicted zeigt uns die andere Seite der Medaille. Hier stecken die Gitarrenwände, die Synthie-Experimente und die gnadenlosen Melodien und Refrains. Ein Album in dem Townsend zeigt das er Hits jenseits aller Clichés schreiben kann.
Bemerkenswert ist dabei die gute Laune die in allen Songs mitschwingt. Das wahnsinnige Grinsen ist einem ehrlichen Lächeln gewichen, und uns Hörern bleibt nichts außer uns anstecken zu lassen.
Die Geheimwaffe in Townsends Arsenal ist dabei Sängerin Anneke van Giersbergen (ex-The Gathering). Die Holländerin verwandelt mit ihrer Stimme jeden von Townsends Industrial- und Progressive-Brechern in eine Pop-Hymne, und gleichzeitig bietet Devin ihr in seinen Songs eine Spielwiese, die van Giersbergen zu Höhenflügen weit jenseits von The Gathering anspornt. Richtig gelesen, sie ist besser als in ihrer alten Band, und ich wollte selbst nicht glauben dass sowas möglich ist.
“Addicted!” leitet das Album noch recht verhalten ein, doch mit “Universe in a Ball!” sind alle Zweifel wie weggeblasen. Was anfängt wie der beste Static-X Song den Static-X nie geschrieben haben gibt die Marschrichtung für das Album vor. “Bend it like Bender!” setzt dem Ganzen die Krone auf, der Song kommt zu spät, der währe der Soundtrack zu diesem Sommer gewesen. Das von “Ziltoid the Omniscient” zweitverwertete “Hyperspace” bekommt von Anneke einen vollkommen neuen Anstrich, und steht dem Original in nichts nach, ist meiner Meinung nach sogar die definitive Version dieses erinnerungswürdigsten Stücks des Kaffee-Junkies.
Wenn man Kritik an diesem Album üben möchte, dann muss man die etwas weniger eindrucksvolle zweite Hälfte erwähnen. Die Songs werden nicht schlechter, nur leider bleiben sie nicht so penetrant im Gehörgang hängen wie die Ohrwürmer am Anfang. Auch kränkelt Addicted am selben Virus wie Ki. Beide sind auf hohem Niveau zu homogen, nicht abwechslungsreich genug.
Aber das ist die Suche nach dem Haar in der Suppe. Addicted macht noch mehr Spaß als Townsends letzte Veröffentlichungen. Der Mann kann einfach keine schlechten Platten machen. Anhören ist Pflicht.
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